Am 10., 11. und 12. April präsentiert der italienische Regisseur und Dramatiker Romeo Castellucci im Teatros del Canal (Sala Roja Concha Velasco) erstmals in der Autonomen Region Madrid seine Neuinterpretation der klassischen Tragödie über unerfüllte Liebe. Die Aufführung findet in französischer Sprache mit spanischen Übertiteln statt und beinhaltet Ganzkörpernacktszenen sowie den Einsatz von Stroboskoplicht und Nebeleffekten.
Das Drama aus der Feder von Jean Racine wird quasi zum Monolog der Hauptdarstellerin Isabelle Huppert, deren Bühnenpräsenz die gesamte emotionale und symbolische Spannung des Stücks in sich vereint.
Bérénice, die Königin von Judäa, liebt den römischen General Titus, der ihre Liebe erwidert. Als dieser jedoch den Kaiserthron besteigt, wird ihm klar, dass Rom eine ausländische Herrscherin nicht akzeptieren wird. Vor die Wahl zwischen Liebe und politischer Verantwortung gestellt, entscheidet sich Titus gegen Bérénice.
In dieser Welt wiegen unterlassene Entscheidungen schwerer als Taten, und Gewalt ist längst nicht mehr physischer, sondern innerer, fast organischer Natur. Erziehung, Moral und Keuschheit agieren als hemmende Kräfte, die das Verlangen lähmen und die Liebe zu einem Raum stiller Grausamkeit machen.
Das Stück ist eine der statischsten und befremdlichsten Tragödien der Bühnenliteratur, in der nichts voranzukommen scheint und dennoch alles schmerzt. Gerade diese extreme Stagnation bewirkt, dass sich der Zuschauer mit der Figur identifiziert: Die verlassene Königin ist nicht mehr lediglich eine historische Figur, sondern wird zum ganz persönlichen, aber auch universellen Spiegelbild.
Auf der Bühne verkörpert Huppert nicht nur Bérénice, sondern trägt auch fast die gesamte Klangatmosphäre mit ihrer Stimme, die – transformiert und verstärkt durch den Klangkünstler Scott Gibbons – eine ebenso beunruhigende wie hypnotische Klanglandschaft entstehen lässt.
Der Regisseur, Dramatiker, bildende Künstler und Bühnenbildner Romeo Castellucci wurde 1960 im italienischen Cesena geboren. 1981 gründete er zusammen mit seiner Schwester Claudia und Chiara Guidi das Avantgarde-Ensemble Societas Raffaello Sanzio, das mit verschiedenen Ausdrucksformen der darstellenden Künste experimentiert, um Fragen des Menschseins und der kulturellen Wahrnehmung zu erforschen.
Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2002 den Titel „Chevalier des Arts et des Lettres” des französischen Kulturministeriums, 2008 die Ernennung zum „Artiste Associé” des 62. Festival von Avignon und 2013 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig.
Gestalter:
Veranstaltungsort: Teatros del Canal - Sala Roja Concha Velasco
- Besetzung - Isabelle Huppert. Mit Cheikh Kébé und Giovanni Armando Romano sowie 12 lokalen Darstellern
- Idee und Regie - Romeo Castellucci
- Musik - Scott Gibbons
- Kostüme - Iris van Herpen
- Regieassistent - Silvano Voltolina
- Probenleitung - Agathe Vidal
- Technische Leitung - Eugenio Resta
- Bühnentechnik - Andrei Benchea und Stefano Valandro
- Lichttechnik - Andrea Sanson
- Tontechnik - Claudio Tortorici
- Kostümmanagement (Tournee) - Chiara Venturini
- Maske und Haarstyling - Sylvie Cailler und Jocelyne Milazzo
- Skulpturen und Bühnenautomatik - Plastikart Studio Amoroso y Zimmermann
- Produktionsleitung - Benedetta Briglia und Marko Rankov
- Produktion und Tournee - Giulia Colla und Bruno Jacob
- Organisation - Caterina Soranzo
- Mitarbeit an der Produktion - Gilda Biasini
- Technisches Team - Lorenzo Camera, Carmen Castellucci, Francesca Di Serio, Gionni Gardini
- Garderobenassistentin in Ausbildung - Madeleine Tessier
- Bewegungsdouble - Serena Dibiase
- Administration - Michela Medri, Elisa Bruno, Simona Barducci, Leslie Perrin
- Finanzberater - Massimiliano Coli
- Produktion - Societas, Cesena; Printemps des Comédiens / Cité du Théâtre Domaine d’O, Montpellier
- Koproduktion - Théâtre de La Ville Paris (Frankreich), Comédie de Genève (Schweiz), Ruhrtriennale (Deutschland), Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, deSingel International Arts Center (Belgien), Festival Temporada Alta (Spanien), Teatro di Napoli – Teatro Nazionale (Italien), Onassis Culture (Athen, Griechenland), Triennale Milano (Italien), National Taichung Theater (Taiwan), Holland Festival (Niederlande), LAC Lugano Arte e Cultura (Schweiz), TAP – Théâtre Auditorium de Poitiers (Frankreich), La Comédie de Clermont-Ferrand – Scène Nationale (Frankreich), Théâtre national de Bretagne – Rennes (Frankreich)
- Unterstützung - Fundación Hermès
Dauer: ca. 90 Minuten
Sprache: Französisch (mit spanischen Übertiteln)
Hinweis: Stroboskoplicht, Ganzkörpernacktszenen und Nebeleffekte