Am 29. April und am 1., 2., 4. Mai 2027 präsentiert Regisseur Rafael R. Villalobos im Teatro Real eine Inszenierung, die die Grenzen zwischen Oper, Performance und Kunstinstallation auslotet.
Abweichend von einer herkömmlichen erzählerischen Form versteht sich das Stück als ästhetische Reflexion über Schönheit, Begehren und Identität mit deutlichen Anklängen an die Gedankenwelt von Oscar Wilde. Rund um Holy Sonnets of John Donne, op. 35, und Seven Sonnets of Michelangelo, op. 22, von Benjamin Britten erschafft Villalobos ein hochkomplexes visuelles Universum, zu dem Musik von Henry Purcell, John Dowland und Britten selbst erklingt.
Die Aufführung basiert auf einer fragmentierten, andeutungsreichen und symbolträchtigen Dramaturgie, in der Körper, Licht und Bühne als narrative Elemente dienen. Statt einer linear erzählten Geschichte bietet die Inszenierung ein Erlebnis für die Sinne mit einer Aufforderung an den Zuschauer, das Verhältnis zwischen Schein und Wahrheit zu hinterfragen – einer der großen Leitgedanken des Ästhetizismus. Das Stück ist somit Teil einer Strömung zur Erneuerung der europäischen Oper, die das Genre aus einer modernen Perspektive neu betrachtet und durch fließende Grenzen zu anderen Kunstrichtungen neue Ausdrucksformen erschließt.
Der spanische Regisseur Rafael R. Villalobos (geb. 1987 in Sevilla) ist auf Opern spezialisiert und für seine innovativen, ästhetisch geprägten Inszenierungen bekannt. Er machte seinen Abschluss am Conservatorio Cristóbal de Morales in Sevilla, wo er Gesang und Harmonielehre studierte; daneben absolvierte er ein Architekturstudium an der Hochschule für Architektur in Sevilla. Anschließend folgte ein Abschluss an der Real Escuela Superior de Arte Dramático in Madrid.
Charakteristisch für seine Arbeit ist die konzeptionelle Neuinterpretation klassischer Werke und die Inszenierung von Kombinationen aus Musik, Theater und Bildsprache mit zeitgenössischem Ansatz. Im Jahr 2013 gewann er als bislang jüngster Preisträger den 7. Europäischen Preis für Opernregie; 2019 erhielt er den Kunst- und Literaturpreis der Stiftung Princesa de Girona.
Gestalter:
- Regie, Bühnenbild, Kostüme, Licht, Dramaturgie - Rafael R. Villalobos
Darsteller:
- Tenor - Mark Milhofer
- Klavier - Manuel Navarro und Gonzalo Villarruel
- Schauspieler - Luis Alberto Domínguez
Programm:
- Dramatisches Bühnenwerk basierend auf Holy Sonnets of John Donne, op. 35, und Seven Sonnets of Michelangelo, op. 22, von Benjamin Britten
- Musik von Benjamin Britten (1913-1976), Henry Purcell (1659-1695), John Dowland (1563-1626)
- Libretto von Rafael R. Villalobos
- Neuproduktion des Teatro Real und des Teatro de La Abadía, zuvor im Espacio Turina (Sevilla) präsentiert
Dauer: ca. 80 Minuten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren